Kirchenschiff mit erfolgreicher Jungfernfahrt

Drei weitere Termine stehen für Urlauber und Einheimische auf dem Programm

Der Bodensee ist zwar nicht der See Genezareth und die MS Großherzog Ludwig ein Ausflugsschiff und kein Fischerboot, aber es gibt symbolische Gemeinsamkeiten. Denn das Schiff ist an diesem Tag eine fahrende Kirche, eine ökumenische außerdem. Die gelungene „Jungfernfahrt“ am vergangenen Sonntag hat gezeigt: Das Angebot kommt an und das sowohl bei den Einheimischen als auch bei den Urlaubern.

Pünktlich um 18.45 Uhr startet das Schiff mit Kapitän Clemens Mauch in Bodman. Rund zwei Drittel der Passagiere steigen dort ein. Der katholische Pfarrer, Regionaldekan Joachim Burkard, übernimmt die Begrüßung der Zugestiegenen und verkündet das Motto der Predigt auf der schwimmenden Kirche: „Eine dreifache Schnur reißt nicht entzwei“.

Da der Gottesdienst „auf hoher See“ erst nach der Aufnahme der in Überlingen zusteigenden Fahrgäste beginnt, stimmt der Gospelchor Litzelstetten die Besucher mit amerikanischen und afrikanischen Songs sowie neuen deutschen Kirchenliedern in den Lobpreis ein.

Kirchenschiff ist Experiment

In Überlingen ist ab 19.30 Uhr das Unterdeck mit 120 Personen gut gefüllt. Die erwartungsvollen Gesichter vor Augen gestehen die beiden Geistlichen: „Das Kirchenschiff ist auch für uns ein Experiment“. Ein gelungenes, steht schon zu diesem Zeitpunkt fest. Auch die nächste Fahrt ist bereits fast vollständig ausgebucht. Sichere Plätze gibt es noch für die Gottesdienste am 11. und 18. August. Der Ablauf an Bord entspricht etwa einem Gottesdienst in einer Kirche. Die Stimmung ist etwas meditativer. Draußen klatschen die Wellen an das Schiff. Möwen begleiten zeitweise seine Fahrt. Wie sagte doch Pfarrer Ellsiepen so treffend: „Das Schiff und der Schiffsraum predigen mit“.

Gäste kommen ins Gespräch

Dann kommen die angekündigten Seile ins Spiel. Sie werden verknotet und durch die Reihen gereicht, bis jeder ein Stück davon in Händen hält. „Was gibt mir Halt? Was gibt mir Kraft? Wo würde ich mir mehr Verbundenheit wünschen?“, lauten die wichtigsten Fragen an die Zuhörer unter Deck.

Iris Beuschel untermalt die Zeit des in sich Gehens mit Klaviermusik. Beim sich anschließenden Gedankenaustausch mit dem Sitznachbarn spielt die Religionszugehörigkeit keine Rolle. Das entspricht dem Ziel der beiden Geistlichen. Ihnen geht es um Gemeinschaft untereinander und um Gemeinschaft mit Gott - um Ökumene. Das Abschlusslied „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt“, ist in diesem Moment in doppeltem Sinn Realität.

Kurz vor der Haltestelle Dingelsdorf, dem ersten Ausstieg nach dem Gottesdienst, erhalten alle Anwesenden den Segen. Dann kann, wer möchte, noch eine Spende zur Deckung der Fahrtkosten in die beiden Körbchen geben.

Weiter geht es nach Überlingen und von dort 20.45 Uhr zurück nach Bodman. Die Gäste nutzen die Zeit zum Gespräch, um eine Kleinigkeit zu essen oder genießen die Fahrt in den Abend hinein, begleitet von einigen Gospelzugaben. Um 21.20 Uhr legt das Schiff wieder in Bodman an.

Die weiteren Termine der von der Evangelischen Landeskirche Baden und der Erzdiözese Freiburg organisierten Seegottesdienste: 4. August mit den evangelischen Pfarrern Christof Ellsiepen und Holger Müller sowie ihrem katholischen Kollegen Claudius Stoffel; Regionaldekan Joachim Burkard (katholisch) und Pfarrer Holger Müller (evangelisch); 18. August Pfarrer Holger Müller (evangelisch).

(Karin Walz/Schwäbische Zeitung v. 31.07.13)

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