Erste Sturmwelle bei Bodensee-Schifffahrt

Kaum im Amt, muss der Verwaltungsrat der Schweizer Bodenseeflotte das Ruder neu besetzen. Der Direktor fällt vorübergehend aus.

Stürmische Zeiten erlebten die 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrtsgesellschaft (SBS) schon, als es um den Verkauf der Aktiengesellschaft ging. Inzwischen ist das Steuerrad an die neuen Aktionäre übergegangen und der neue Verwaltungsrat mit dem Amriswiler Unternehmer Hermann Hess an der Spitze im Amt. Doch von einer ruhigen See kann nicht gesprochen werden, bei den Mitarbeitern hat sich erneut Unruhe breit gemacht.

In einem internen Schreiben, das der TZ vorliegt, teilte der Verwaltungsrat vor wenigen Tagen mit, dass sich der langjährige SBS- Direktor Martin Böller aufgrund einer ärztlichen Empfehlung per sofort von seiner Aufgabe habe dispensieren lassen müssen. Bis Ende Mai ist Böller krankgeschrieben, bestätigt Hess, dementiert aber, dass der Verwaltungsrat den Direktor freigestellt hat. Die Ereignisse rund um den Verkauf der SBS von den SBB an die Unternehmergruppe um Hess, Edgar Oehler und den Vorarlberger Tourismuskönig Walter Klaus und die Ziele der neuen Unternehmer hätten aber sicher Spuren hinterlassen. «Die unternehmerischen Ziele erstrecken sich auch auf die Organisation.»

Verwaltungsrat springt ein

Bis Ende Mai wird laut Hess nun Robert Vasak die SBS-Geschäfte leiten - ihn hat der Verwaltungsrat am 9. Mai zum neuen Delegierten gewählt, und er ist ein Mitarbeiter der Walter-Klaus-Gruppe. Wie es anschließend weitergeht, sei offen, sagt Hess. Der Verwaltungsrat wolle aber nicht auf die 30-jährige Erfahrung von Böller verzichten. Böller selber war gestern nicht zu erreichen.

Ein Jahr der Analyse

Die Geschäfte der SBS seien gut angelaufen, vor allem dank des schönen Wetters, sagt Marketingleiter Oliver Fehr. Die SBS habe die Zahl der Extra- und Sonderfahrten für 2007 markant verstärkt, dies aber noch vor dem Verkauf. Hess hatte mehrfach betont, dass die neuen Besitzer Leistungen, Schiffsqualität und Organisation der SBS in diesem Jahr überprüfen werden und auf 2008 größere Neuerungen realisieren wollen. Dass Walter Klaus neben dem Einstieg bei der SBS auch die Werft in Fussach kaufe, sei seit Längerem bekannt. Damit entstehe keine Konkurrenz zur Werft in Romanshorn, an deren Auslastung man arbeite.

(Marc Haltiner/Thurgauer Zeitung v. 11.05.07)

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