"Sonnenkönigin" ganz ohne Schlagseiten 

"Gräfin Bettina wird garantiert am 18. September die Taufe im Friedrichshafener Hafen vornehmen können." Das hat gestern Abend nach Abschluss des Krängungs- oder Schlagseitentests des Eventschiffes "Sonnenkönigin" auf der Bodanwerft in Kressbronn, Jean Klingberg, Projektleiter Schiffbau der Werft, versprochen. Genau 400 Menschen hatten Werft und Sonnenkönigin AG dafür engagiert.

Eine Riesengaudi war für die 400 Personen, eingeteilt in vier Blöcke zu 100, der Krängungstest, den die "Sonnenkönigin" bravourös überstand. Da musste getrampelt, auf die eine oder andere Seite gewechselt, oder auch auf den vier Decks Stellung bezogen werden. Nach gut zwei schweißtreibenden Stunden war die Prozedur erledigt. Die Statisten, unter ihnen zahlreiche Vereinsmitglieder wie die Eisstockschützen aus Langenargen und Kressbronns Bürgermeister Edwin Weiß, genehmigten sich danach erst einmal eine Stärkung, Butterbrezeln und kühlen Gerstensaft. "Das ist unsere Gage", witzelte Edwin Weiß.

Jean Klingberg freute sich: "Die Ingenieure unserer Werft haben die Schlagseite des Schiffes bei diesem Test gemessen und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass alles in Ordnung ist. Das offizielle Prüfergebnis durch den Germanischen Lloyd erhalten wir in etwa vierzehn Tagen". Mit diesem Test hätten die Schwimmeigenschaften des Schiffes unter realistischen Bedingungen erprobt werden sollen, das sei auch nach internationalem Seerecht vorgeschrieben.

Sichtlich zufrieden zeigte sich Kommerzialrat Walter Klaus aus Bregenz, Eigentümer der Walter-Klaus-Gruppe, die an der österreichischen "Vorarlberg Lines" und an der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrtsgesellschaft AG (SBS) beteiligt ist und geistiger Vater der "Sonnenkönigin", für die der SÜDKURIER als Medienpartner verantwortlich zeichnet. "Das war meine Vision vor ungefähr zwölf Jahren, jetzt wird sie Wirklichkeit", schwärmte der 74-jährige aus Deutschland stammende Unternehmer.

Das künftig größte Schiff auf dem Bodensee biete mit seinen 1000 überdachten Sitzplätzen auf vier Decks Raum für Konzerte, Kongresse, Modenschauen oder exklusive Firmenveranstaltungen, erläuterte PR-Leiter Marc Reinhardt. Die "Sonnenkönigin" sei eine schwimmende, inspirierende Plattform auf dem Bodensee im Herzen Europas. Sie werde neue Dimensionen für besondere Ereignisse eröffnen. 

Der ebenfalls anwesende Geschäftsführer der Sonnenkönigin AG, Alexandro Rupp, sagte, das Charterschiff sei im Premium-Segment positioniert und setze neue Maßstäbe in Sachen Qualität, Emotionen und Eventmöglichkeiten. Die Kundschaft sieht Rupp vor allem bei Großunternehmen, die eine spezielle und einzigartige Basis für Tagungen, Präsentationen und Konzerte suchten. Der Hauptzielmarkt sei Europa mit einem Schwerpunkt 300 Kilometer rund um den Bodensee.

(Volker Geiling/Südkurier v. 30.08.08)

 

Sonnenkönigin trägt ihre erste Last

Zum ersten Mal hat das MS Sonnenkönigin gestern mehrere hundert "Passagiere" getragen. Rund 400 Menschen aus der Umgebung waren angerückt, um beim Krängungstest des Schiffes zu helfen. Bei dem Test wurde beobachtet, wie stark sich die Sonnenkönigin zur Seite neigt, wenn Menschen auf ihr umhergehen.

Sie soll ein Schiff werden, auf dem Musik und Theater gespielt wird. Auf dem die Passagiere Kultur in jeder erdenklichen Form erleben können. Doch noch ist es totenstill auf dem MS Sonnenkönigin. Das riesige Schiff liegt gut vertäut im Hafen der Bodanwerft. In seinem Innern eine Bühne, eine Tribüne für die Zuschauer und mehrere Bars -- alles verwaist. Hie und da hängen noch Stromkabel von der Decke, der Teppich ist mit einer Plastikfolie abgedeckt.

Nur wenige hundert Meter vom Schiff entfernt, in den hohen Hallen der Bodanwerft, geht es dagegen laut und fröhlich zu. Rund 400 Menschen aus Kressbronn und der Umgebung haben sich hier eingefunden und in zwei langen Reihen aufgestellt. Direkt vor zwei Waagen. Die Bodanwerft hat an diesem Tag eingeladen, einmal an Bord der Sonnenkönigin zu kommen. Allerdings nicht zum Vergnügen. Die "Passagiere" kommen, um am so genannten Krängungstest des Schiffes teilzunehmen.

"Für diesen Test brauchen wir 30 Tonnen Gewicht", erklärt Jean Klingberg, der Projektleiter Schiffbau der Bodanwerft. "Die Menschen verteilen sich in Blöcke aufgeteilt auf dem obersten Deck des Schiffes. Dann wird gemessen, in welchem Winkel sich das Schiff neigt." Von diesen Werten könne man dann hochrechnen, was geschieht, wenn sich 1000 Passagiere auf dem Schiff befinden. "Die Sonnenkönigin muss diesen Test bestehen, damit sie ihre Zulassung bekommt", erklärt Klingberg. Abgenommen wird das Ergebnis von einem Fachmann, dem "Germanischen Lloyd". Er wird in zwei Wochen auch das Ergebnis des Tests verkünden.

An den Waagen im Innern der Werft wird das Gewicht der Passagiere festgehalten. Während das Gewicht der Männer per Zuruf an den Mitarbeiter mit dem Schreibblock weitergegeben wird, wird bei den Frauen das Gewicht ganz leise zugeflüstert.

Auf dem obersten Deck der Sonnenkönigin befinden sich Kreidemarkierungen. Alle Mitglieder eines bestimmten Blocks müssen sich innerhalb einer bestimmten Markierung aufhalten. Es ist heiß an Deck, von Mitarbeitern der Werft werden Getränkeflaschen verteilt. Trotzdem stehen alle Testteilnehmer geduldig da. Ihre Aufgabe besteht im Laufe des Tests darin, geschlossen als Gruppe die Seite zu wechseln. Von einer Reling zur anderen, von Backbord nach Steuerbord.

Schiff neigt sich zur Seite

Ein Mitarbeiter der Werft gibt über ein Megafon Anweisungen: "Achtung, achtung, der Test wird fortgesetzt. Block 2 bitte auf die gegenüberliegende Seite wechseln." Geduldig machen alle Testteilnehmer, was man ihnen sagt. Als alle auf einer Seite des Schiffes stehen, merkt man deutlich, wie sich die Sonnenkönigin zur Seite neigt. Witze werden gerissen, immer wieder fällt der Name eines anderen Schiffes: Titanic. Nach rund eineinhalb Stunden ist der Test abgeschlossen und alle Daten sind gesammelt. Die Mitarbeiter der Bodanwerft bedanken sich für den gelungenen Test, die Testteilnehmer beklatschen sich selber, und die Sonnenkönigin hat zum ersten Mal eine größere Menge an Passagieren getragen. Und war zum ersten Mal so richtig von Leben erfüllt.

(Schwäbische Zeitung v. 30.08.08)

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