Mit Planken aus Stahl


"Nicht auf die Naht treten", brüllt Robert Dittmann. "Sonst schmilzt die Sohle." Mit Schweißgeräten richten sie den Stahl. Es stinkt und raucht. Das ist sie also. Das neue Schiff der Vorarlberg Lines. 

Dieser stählerne Koloss wird noch heuer in Bregenz einlaufen. Dann strahlend weiß und voll verglast. Mit drei Bars und einem Ballsaal. Tribüne und Bühne nach Belieben versenkbar. Der neue Stolz der "Vorarlberg Lines". Des Bodensees modernstes Schiff. Geboren in der Bodanwerft. Und Geschäftsführer Dittmann muss zugeben: "Sie ist mit ihren 69 Metern für die Halle klar zu lang."

Per Tieflader aus Stettin 

Deshalb hat ein Tieflader das Heck auch vor der Tür abgestellt. Wie riesige Urzeitkrebse liegen Stahlteile der Steuerbordseite in Halle 5 
und werden verschweißt. Das meiste davon hat die Stettiner Werft gebaut. Die beiden "Marine Diesel" liefert MAN. 
"Wir warten nur noch auf die Dachsektion." Geübt balanciert Dittmann die Holzplanken am Rumpf entlang. Noch ruht das Schiff auf Holzbohlen. Aber im Frühjahr ist Stapellauf. "Dann bringen wir sie in unseren Werfthafen." Zur Endfertigung. 
Erst die Bugwulst ragt vorlaut ins Freie und schnuppert schon Seeluft. Manchmal streckt einer der Arbeiter den Kopf ins Freie, 
wischt sich die schweißnasse Stirn und tut es ihr gleich. In wenigen Monaten schon werden tadellos gekleidete Techniker mit ihren Laptops 
die Maschine auf Hochleistung trimmen. Dann sind die Stahlarbeiter längst verschwunden. 
"Ja", sagt Ulrich Georg aus dem Vertrieb der Bodanwerft, "das ist nicht so ein Bockwurstdampfer." Wir stehen ganz unten, im Gerippe des 
Schiffes. Und wie zur Bestätigung erdröhnen wuchtige Hammerschläge, dass selbst das Schott in seinen Angeln zittert. 

Schiff in Zahlen 

- Länge über alles 69 m 
- Breite über alles 14,50 m 
- Höhe über Wasser 11 m 
- Tiefgang 1,80 bis 2 m 
- Antrieb 2 x 900 KW 
- Geschwindigkeit 30 km/h 
- Passagiere 1000 

Stichwort Bodanwerft 

90 Ingenieure, Designer, Schiffsbauer, Schlosser, Elektriker, Schreiner, Schweißer und Maler arbeiten heute in der Kressbronner Bodan-Werft im Schiffsbau und für die Industrie. 1919 gründete Herrmann Stachelhaus die Werft. Die Unternehmensidee: Der Bau von Motorschiffen aus Metall. Die erste Bodenseefähre Konstanz-Meersburg wurde 1927 hier gefertigt. Mittlerweile entstehen in Kressbronn auch Wind-, Wasser- und Ölkanäle ebenso wie Edelstahlbecken für Schwimm- und Freizeitbäder.

(Vorarlberg Online v. 07.03.07)

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