Bodenseeschifffahrt hält nichts von Winterschlaf

Die Silvesterschiffe sind ausgebucht – In der Werft gibt es bis zum Saisonbeginn am 1. April noch viel zu tun

Eben sind die letzten Schiffe von den Adventsfahrten mit Nikolaus und Knecht Ruprecht in die Heimathäfen zurückgekehrt, laufen auf den Großschiffen schon die Vorbereitungen für die bereits ausgebuchten Silvesterfahrten. Aus dem ganzen Land kommen Gäste an den Bodensee, um den Jahreswechsel auf dem Wasser zu feiern. „Nichts geht mehr“, sieht Joachim Föhr von der Gastronomie des MS „Graf Zeppelin“ die letzten Karten verkauft. Damit nicht genug, wird in der Häfler Werft traditionell in den Wintermonaten gehämmert, geschweißt und gestrichen, um die „Weiße Flotte“ insgesamt und rechtzeitig zum Saisonbeginn am 1. April wieder flott zu bekommen.

Ende Oktober haben die Konstanzer Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) die Saison mit einer Bilanz von rund 2,2 Millionen Fahrgästen abgeschlossen. Das waren – trotz des bescheidenen Sommers – sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Jörg Handreke, technischer Geschäftsführer der BSB, ist mit der Saison „sehr zufrieden“, nicht zuletzt, weil der Umsatz im Vergleich zum verregneten Vorsommer um acht Prozent gesteigert werden konnte.

Die Mehreinnahmen sind dringend nötig, um die Flotte wieder auf Vordermann zu bringen. 700 000 Euro nimmt die BSB – eine Tochter der Stadtwerke Konstanz GmbH – im Winterhalbjahr in die Hand, um Großschiffe wie die „Graf Zeppelin“, die „Königin Katharina“ und die Motorfähre „Euregia“ bei Landrevisionen in Schale zu werfen. Meist in der BSB-eigenen Werft in Friedrichshafen, die nach dem Aus der Kressbronner Bodanwerft an Bedeutung gewonnen hat.

40 Fremdfirmen helfen mit

Werkstattleiter Gerold Kamm arbeitet seit dem Frühsommer in der Häfler Werft mit seinen Mannen an den Revisionsplänen, die punktgenau auf den Saisonbeginn abgestimmt sind. Bis zu 40 Fremdfirmen unterstützen das BSB-Team. Mehr als 30 Elektriker, Schlosser, Schreiner und Maler werkeln an den Flottenteilen. Eine komplett neue Lackierung und eine verbesserte Klimaanlage steht für die „Graf Zeppelin“ auf dem Plan, eine Kühlanlage der Motoren für die „Konstanz“ und die „Lindau“. Auf einen Neuanstrich, neue Freidecksbeläge und ansprechendes Mobiliar wartet ab Januar die „Königin Katharina“. Während der Wartungsarbeiten im Wasser bleiben vor Konstanz und Friedrichshafen die „Stuttgart“, die „München“, die „Karlsruhe“ und die „Baden“. Das Fährschiff „Euregia“ wird in der Werft in Romanshorn überholt.

Aufgrund des milden Herbstes war es dieses Jahr nicht einfach, Handwerker wie die Maler pünktlich in die Werft zu locken. Der Grund: Die Temperaturen im Freien haben es zugelassen, bis spät in den Herbst hinein auch noch an Gebäudefassaden zu arbeiten.

Wie geht’s weiter mit der Werft?

Um die Überplanung des Häfler Werftgeländes ist es nur öffentlich ruhig geworden. Die Werft beizubehalten ist inzwischen Fakt, erst recht nach der Entwicklung in Kressbronn. Im Stillen arbeiten die Städte Friedrichshafen und Konstanz gemeinsam an einer Lösung, erklären der technische Geschäftsführer der BSB, Jörg Handreke, und der Erste Bürgermeister der Stadt Friedrichshafen, Dr. Stefan Köhler, übereinstimmend. „Auf der Arbeitsebene ist alles im Fluss“, sagt Köhler der SZ, und: eine Entscheidung in den nächsten zwei Jahren sei nicht zu erwarten. Ein Problem ist diese Zeitschiene nicht. Beide Partner stehen nicht unter Zeitdruck.

Obwohl die Werft nicht gerade vor „prickelndem“ Aussehen strotzt: Dass es sich beim Werftgelände um ein „Filetstück“ in der Stadt handelt ist keine Frage. Besonders attraktiv ist das Drittel der Fläche, das direkt am Wasser liegt. Dieses Areal muss allerdings mit dem rückwärtigen Teil unter Einbeziehung der Werft und damit gesamtheitlich entwickelt werden. Und das ist nicht einfach. Ein Industriegebiet (Werft) mit all seinen Nachteilen (Lärm) mit der übrigen Nutzung (Wohnbebauung) verbinden zu können, bedarf auch rechtlichen Überprüfungen und Lösungen. Köhler strebt eine harmonische Lösung an, will „auf jeden Fall“ die Bevölkerung mit ins Boot nehmen, einen Wettbewerb vorschalten und die Vorschläge dann umfassend diskutieren.

(Siegfried Großkopf/Schwäbische Zeitung v. 29.12.11)

zurück